Das Europäische Vogelschutzgebiet Lewitz (SPA) Eine Naturperle in Mecklenburg-Vorpommern

 

Für den Schutz des Vogelparadieses

Bereits 1904 unternahmen die Vogelkundler Dr. FRIEDRICH LINDNER und GUSTAV CLODIUS eine Exkursion durch das Lewitzgebiet und waren von der damals vorkommenden, reichhaltigen Vogelwelt fasziniert. Vogelarten wie die "schwarzschwänzigen Limosen" (Uferschnepfe), "Großen Brachvögel", "Kampfhähne" (Kampfläufer), "Bekassinen", "Rotschenkel", "Dunkle Wasserläufer" und "Kiebitze" waren hier fast überall anzutreffen und gehörten zu den Charaktervogelarten der Lewitz. Ebenso berichteten sie vom "schwarzen Storch" (Schwarzstorch), der in der Waldlewitz auf hohen, alten Stieleichen brütete. Aufgrund dieser und anderer Tatsachen trifft wohl die Aussage zu, dass die Lewitzniederung, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand, eines der bedeutendsten Brut- und Rastgebiete für Sumpf- und Watvögel im damaligen Deutschen Reich war.

 

Zwischen 1920 und 1930 wurden die hörbaren Appelle von Verbänden, Vereinen und Einzelpersonen immer eindringlicher, den Vogelreichtum in der Lewitz zu schützen. Eine bedeutende Vorreiterrolle nahm hier der "Heimatbund Mecklenburg" ein, der 1920 seine Publikation "Zum Vogelschutz in der Lewitz" verfasste. Dieses Werk bestand aus einer Eingabe einer Denkschrift betreffend den Vogelschutz in der Lewitz, einem Verzeichnis über die größeren Vogelarten der Lewitz-Niederung und aus einer Forderung, die Lewitz zum Naturschutzgebiet erklären zu lassen. Weitere Persönlichkeiten erhoben Ihre Stimme und verlangten nun verbesserte Schutzmaßnahmen. Darunter befand sich auch der Leiter der Vogelwarte der Staatlichen Biologischen Anstalt auf Helgoland Dr. HUGO WEIGOLD, der 1921 mahnte:

"Und darum rufen auch wir das ganze mecklenburgische, nein, das ganze deutsche Volk auf: Verhindert in letzter Stunde, dass die Fischerei- und Jagdrechte in den staatlichen Revieren der Lewitz an Private verpachtet werden oder legt doch mindestens bis zur Einführung deutscher Reichsnaturschutzgesetze den Pächtern Bedingungen auf, die von einer Kommission von Naturschutzfachleuten aufgestellt werden, wie es z.B. bei Verpachtungen im Lüneburger Heidepark geschieht". WEIGOLD beendet seinen Aufruf mit den Worten: "Der mecklenburgische Landtag wird es vor der Zukunft zu verantworten haben, ob er die Heimatnatur preisgibt oder schützt".

Dem Kreis der namhaften Natur- und Heimatschützer gehörten zahlreiche Forstleute wie der Oberforstmeister KLAUS-CHRISTOPH RUDOLF PETERSON und der ehemalige Landesnaturschutzbeauftragte und Oberforstmeister GEORG VON ARNSWALDT an. Der Forstmeister TRAUGOTT FREIHERR VON MALTZAHN formulierte seine Gedanken über den Schutz der Lewitz bereits 1930 mit den beeindruckenden Worten:

"Was aber nützt es, wenn immer von der Lewitz als vom mecklenburgischen Naturschutzgebiet geredet und geschrieben wird, ohne dass sie es tatsächlich ist? Dass die Lewitz tatsächlich Naturschutzgebiet bald wird, dass nicht länger mehr mit dieser Bezeichnung gedankenlos jongliert wird, das ist mittlerweile Ehrensache unseres Landes nicht nur sich selber, sondern gegenüber den anderen deutschen Ländern geworden, von denen uns die kleinen in beschämender Vorbildlichkeit zeigen, wie praktischer Heimatschutz aussieht".

Quelle: Zimmermann, H. (2008): Die Vogelwelt des Naturschutzgebietes Fischteiche in der Lewitz. Ornithologischer Rundbrief Mecklenburg-Vorpommern 46, Sonderheft 1, S. 7-207.

Das Naturschutzgebiet entsteht


Forstmeister Traugott Freiherr von Maltzahn. Quelle: Landesforst M-V, Forstamt Friedrichsmoor.
Die mahnenden Stimmen verhallten nicht, sondern wurden weiter in die Öffentlichkeit getragen. Somit hatten es letztendlich diese engagierten Visionäre geschafft, dass die Lewitz unter Schutz gestellt wurde. Nach dem Beschluss des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBL. I S. 821) und der Durchführungsverordnung vom 31. Oktober 1935 (RGBL. I S. 1275) konnte die Unterschutzstellung rechtlich umgesetzt werden. Mit der "Verordnung vom 22. Juli 1938 über das Naturschutzgebiet Die Lewitz in Mecklenburg in den Kreisen Ludwigslust, Parchim und Schwerin" (Regierungsblatt für Mecklenburg Nr. 17 vom 5. August 1938, S. 208) wurden 7.137 ha der zum Forstamt Friedrichsmoor gehörenden Landesforsten und Fischteiche und die Lewitz-Niederung in das Reichsnaturschutzbuch eingetragen und damit unter dem Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt. Das Naturschutzgebiet erstreckte sich auf Flächen, zu denen die Forstreviere Friedrichsmoor, Jamel, Bahlenhüschen, Banzkow sowie Rusch und die Wiesenreviere I bis XI gehörten. Der Oberforstmeister GEORG VON ARNSWALDT beschreibt 1939 das neue Naturschutzgebiet wie folgt:

"Die Lewitz mit ihrem Walde, in dem die Baumriesen von längst vergangenen Jahrhunderten erzählen, in dem der Brunfthirsch seinen Schrei erschallen lässt, in dem der mächtige Adler vom Horste streicht, mit ihren weiten, fast unabsehbaren Wiesenflächen, ihren Kanälen und Fischteichen, ihren Mooren und Sümpfen, die von Tausenden von Vögeln belebt sind, wird immer das größte und bedeutendste Naturschutzgebiet in Mecklenburg bleiben".

GEORG VON ARNSWALDT ahnte damals nicht, das seine Worte bereits zwanzig Jahre später von der Wirklichkeit eingeholt werden und dass so von ihm trefflich beschriebene NSG eben nicht bestehen bleiben würde. Durch die Unterschutzstellung gab es jedoch keinerlei Einschränkungen einer waidgerechten Jagd, einer rechtskonformen Fischerei und landwirtschaftlichen Nutzung sowie einer ordnungsgemäßen forstlichen Bewirtschaftung. Jedoch mussten die vorhandenen alten Buchenbestände geschont und das Walzen der Wiesenflächen nach dem 15. März eingestellt werden. Davon profitierten vor allem die Vogel- und Tierarten, die von den Altbuchenbeständen abhängig waren und zahlreiche Sumpf- und Watvogelarten, die auf dem Feuchtgrünland brüteten.

Vom Ende zum Neuanfang


Oberforstmeister Georg von Arnswaldt Quelle: Foto aus der Dissertation Georg von Arnswaldt, ein Wegbereiter naturnaher Forstwirtschaft, des Naturschutzes und der Landschaftspflege in Mecklenburg Dr. Holger Voß.
Bis 1958 blieben die Lewitzniederung und das Naturschutzgebiet weitgehend unberührt. Das änderte sich aber, nachdem die neuen "sozialistischen Fürsten" zwei komplexe Meliorationsvorhaben durchführten und 1963 die bestehende Schutzverordnung aufgehoben worden war. Das Naturschutzgebiet, das GEORG VON ARNSWALDT so authentisch beschrieb, hörte auf zu existieren. Dafür entstanden ein Landschaftsschutzgebiet Lewitz und vier kleine Naturschutzgebiete, darunter auch das NSG "Fischteiche in der Lewitz".

Diese Neustrukturierung brachte viele Nachteile für den Natur- und Landschaftsschutz in der Lewitz. So waren nicht alle Teichflächen Bestandteil des Naturschutzgebietes Fischteiche. Im NSG war die Jagd verboten. In den Teichflächen, die außerhalb des NSG lagen, bestand kein Jagdverbot. Naturschützer wie der Schweriner Vogelkundler Dr. HORST ZIMMERMANN, erkannten recht schnell, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. So stellte er bereits 1966 den Antrag, die Grenzen des NSG auf alle Teichflächen zu erweitern. Diese notwendige Erweiterung erfolgte 1967 und umfasste nun eine Fläche von immerhin 1.732 ha. Nicht nur das Naturschutzgebiet und die hier vorkommende Vogelwelt wandelten sich, sondern auch die politischen Machtverhältnisse.


Foto: Ralf Ottmann
Nach 1990 mussten neue Schutzziele und Strategien für den Naturschutz entwickelt und praktisch umgesetzt werden. So meldete das Land Mecklenburg-Vorpommern 1992 die Lewitz mit einer Gesamtfläche von 15.890 ha der Europäischen Kommission als so genanntes "Europäisches Vogelschutzgebiet" (SPA). Durch die erfolgte Meldung bestand jetzt die Möglichkeit, wichtige Naturschutzmaßnahmen umzusetzen. Dazu zählt die Winterbespannung einiger Teiche, die nun von Nordischen Gänsen und Schwänen sowie von Enten als Nahrungs- und Schlafgewässer genutzt werden konnten.

Taten statt Warten


Foto: Ralf Ottmann
Seit der ersten Unterschutzstellung der Lewitz und in den darauf folgenden neuen Schutzgebieten waren und sind praktische Naturschutzmaßnahmen ein wichtiger Bestandteil naturschützerischen Handelns. Trotzdem hat man es versäumt, einige ökologisch wertvolle Lewitzpolder wiederzuvernässen, was sowohl den vorhandenen Niedermoorstandorten, der Pflanzenwelt als auch der Avifauna zugute gekommen wäre. Die Betreuung der Naturschutzgebiete erfolgte auf ehrenamtlicher Basis, da keine hauptamtlich tätigen Naturschutzwarte eingesetzt wurden. Zu nennen sind hier der Brenzer Naturfreund KLAUS FUNK, der sich auf der Düne Hühnerberg für den Erhalt der Gewöhnlichen Kuhschelle einsetzt und der Neustädter Naturfreund ECKART WINKEL, der als Betreuer für das NSG Töpferberg fungiert. Ebenso hat sich der Vogelkundler Dr. KLAUS-DIETER FEIGE für den Naturschutz in der Lewitz engagiert, und das insbesondere in seiner Funktion als Vorsitzender des Umweltausschusses des Landkreises Ludwigslust-Parchim und als Schutzgebietsbetreuer für das NSG Klinker Plage.

Hervorzuheben ist das langjährige Wirken der Vogelkundler Dr. HORST ZIMMERMANN und GÜNTHER SCHIEWECK, die seit Jahrzehnten die Schutzgebietsbetreuung für das NSG "Fischteiche in der Lewitz" durchführen. Sie nahmen hier auch regelmäßige Zählungen vor, um den Vogelbestand zu dokumentieren und wissenschaftlich zu untersuchen. Durch das Engagement von haupt- und ehrenamtlichen Naturschützern konnten die Enzianwiese regelmäßig gepflegt sowie ein seltener Bestand des Lungen-Enzians und weitere bedrohte Pflanzenarten erhalten werden. Gleichzeitig gelang es hier, die vom Aussterben bedrohte Sibirische Schwertlilie wieder neu anzusiedeln. 1995 startete der Landesjagdverband M-V in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Wanderfalkenschutz des Deutschen Falkenordens ein bedeutendes Naturschutzprojekt. Die Zielsetzung bestand in der Wiederansiedlung des Wanderfalken, um eine auf Bäumen brütende Wanderfalkenpopulation in Mecklenburg-Vorpommern aufzubauen. Zwischen 1995 und 2000 gelang es so, 75 Jungfalken auszuwildern. Die ersten Bruterfolge stellten sich bereits im Jahr 2000 und 2001 ein. Somit bestehen berechtigte Chancen, dass der bis 1968 in der Lewitz brütende Wanderfalke zukünftig wieder ein Brutvogel der Lewitz werden kann.


Bedrohter Stiel-Eichenbestand am Störkanal Foto: Ralf Ottmann
Auf Initiative und unter Mitwirkung des Autors gründete 1996 der Umweltverband Grüne Liga M-V das "Lewitzprojektbüro". Dadurch konnten von 1997 bis 2001 sämtliche, in der Lewitzniederung stehende und gefährdete Einzelbäume, Baumgruppen und Baumreihen kartiert und fast vollzählig eingezäunt werden. Unterstützung erhielt diese Naturschutzmaßnahme durch die damaligen Staatlichen Ämter für Umwelt und Natur Schwerin und Lübz, durch die Unternehmens-Entwicklungs-Gesellschaft mbH aus Parchim sowie durch die ansässigen Landwirtschaftsbetriebe.

Auch ein mobiler Amphibienschutzzaun, der seit 1998 bei Neuhof zum Schutz gefährdeter Kröten, Unken, Frösche und Molche durch das Lewitzprojektbüro und später durch den Umweltverband BUND aufgestellt und seit Jahren durch BURKHARD FELLNER betreut wird, ist eine wichtige und erfolgreiche Naturschutzmaßnahme. Nicht zuletzt möchte ich die vielen ehrenamtlichen Naturschützer würdigen, die sich in der Lewitz für den Erhalt kostbarer Baumalleen und Einzelbäume an den Bundeswasserstraßen einsetzten.


Foto: Ralf Ottmann
Damit auch zukünftig in der Lewitz ein gesetzlich untermauerter Natur-, Arten- und Landschaftsschutz gewährleistet werden kann, ist die Anwendung und Durchsetzung bestehender rechtlicher Instrumente ohne Wenn und Aber zu praktizieren. Deshalb ist es eine Notwendigkeit, den haupt- und ehrenamtlichen Naturschutz personell und finanziell zu stärken.

Mittelfristig sollte auch die Ausweisung zum "Naturpark Lewitz" erfolgen, eine Naturparkverwaltung und ein Förderverein aufgebaut sowie hauptamtliche Naturparkwächter eingestellt werden.

Ralf Ottmann, Ihr Lewitzranger

 

Ich möchte Sie herzlich einladen, mit mir zusammen diese einzigartige mecklenburgische Naturperle kennenzulernen. Lassen Sie uns gemeinsam die Natur durchstreifen und imposante Vogelschwärme, majestätisch wirkende Rothirsche und fliegende Edelsteine beobachten. Entdecken Sie mit mir von Nebelschwaden durchströmte Wiesenflächen, mystisch wirkende Wasserläufe, knorrige Baumriesen und idyllisch gelegene Städte und Dörfer.

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